Kaltwasserverteiler Wagner AG & HB Therm

Kaltwasserverteiler Wagner AG & HB Therm

26. Februar 2026

Metall raus, Kunststoff rein: Der Kaltwasserverteiler als Schlüssel zur erfolgreichen Metallersatzstrategie

Aus Sicht der Wagner AG steht der neue Kaltwasserverteiler für HB-Therm exemplarisch für das, was moderne Kunststofftechnik heute leisten kann. In enger Entwicklungskooperation mit der HB-Therm AG in St. Gallen ist es gemeinsam mit dem Kunden gelungen, ein zentrales Funktionsbauteil der Temperiergeräte Generation Thermo-6 konsequent neu zu denken – und dabei Messing vollständig durch einen Hochleistungskunststoff zu ersetzen.

Der Ausgangspunkt war wie so oft: Der bisherige Kaltwasserverteiler aus Messing war funktional zuverlässig, jedoch kostenintensiv in der Herstellung. CNC-Nachbearbeitungen, mehrere Einzelkomponenten und ein hoher Materialeinsatz bestimmten den Bauteilepreis. HB-Therm suchte deshalb gezielt nach einem Partner, der nicht nur Kunststoff und Metall versteht, sondern das gesamte Bauteil inklusive den Anbauelementen unter Berücksichtigung der hohen Anforderungen an Druckdichtheit und Temperaturbeständigkeit neu konstruieren konnte. Die Wagner AG war überzeugt: Der Verteiler lässt sich als hochintegrierte, einteilige Kunststoffkomponente realisieren – fertigfallend aus dem Werkzeug.

Kunststoff als Enabler für Funktion und Integration

Gemeinsam wurde das Kühlwassermodul konstruktiv von Grund auf neu ausgelegt. Das neue Design integriert sämtliche Kanäle, Bohrungen, Dichtflächen und Gewinde direkt in das Spritzgussteil. Zum Einsatz kommt ein faserverstärkter Hochleistungskunststoff der sowohl den mechanischen als auch den thermischen Anforderungen gerecht wird. Umfangreiche FEM-Simulationen, Berstdruck-, Langzeit- und CT-Tests begleiteten den Entwicklungsprozess.

Das Ergebnis ist ein hochkomplexes Bauteil mit 57 Bohrungen, gefertigt in einem einzigen Werkzeug. Wo früher Metallbearbeitung dominierte, entsteht heute ein funktionsintegriertes Kunststoffmodul – mit reproduzierbarer Qualität und deutlich reduzierter Komplexität in der Lieferkette.

Frappante Vorteile gegenüber dem Messingvorgänger

Die Vorteile des Kunststoff-Kaltwasserverteilers sind aus Sicht der Wagner AG eindeutig und messbar. Die Materialsubstitution führt zu einer signifikanten Gewichtsreduktion Gleichzeitig entfallen nahezu sämtliche mechanischen Nachbearbeitungsschritte. In Summe resultieren Einsparungen von ca. 80 % in den Herstellkosten.

Auch montage- und prozesstechnisch bringt das Kunststoffbauteil klare Vorteile. Fertig entformte Innen- und Aussengewinde, integrierte O-Ring-Sitze und ein optimiertes Stecksystem reduzieren die Montagezeit um mehr als 20 Minuten pro Gerät. Für HB-Therm, das konsequent nach Lean-Prinzipien produziert, ist dies ein wesentlicher Faktor.

Nicht zuletzt zahlt der Materialwechsel auf die Nachhaltigkeit ein. Der deutlich geringere Energie- und Ressourcenbedarf senkt den CO₂-Ausstoss pro Gerät von rund 15–20 kg auf etwa 2–3 kg. Hochgerechnet auf Stückzahlen im fünfstelligen Bereich ergibt sich ein substanzieller ökologischer Mehrwert.

Metallersatz als gelebte Strategie

Für die Wagner AG ist das Projekt Kaltwasserverteiler ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Metallersatzstrategie. Kunststoff wird hier nicht als „Ersatz zweiter Wahl“ eingesetzt, sondern als konstruktiver Enabler für Funktion, Integration und Wirtschaftlichkeit. Entscheidend war dabei die frühe, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit HB-Therm – von der Konzeptphase über Prototypen bis zur Serienfertigung aus einer Hand.

Das Projekt zeigt eindrücklich, welches Potenzial im gezielten Einsatz technischer Kunststoffe liegt. Und es macht deutlich: Wenn Material, Konstruktion und Prozess gemeinsam gedacht werden, entstehen Lösungen, die dem metallischen Vorgänger nicht nur ebenbürtig sind – sondern ihn klar übertreffen.